Wilhelmsburger Krankenhaus vor dem AUS? Wer rettet „Groß-Sand“? 3

Update, 08.08.2020
– Demo für den Erhalt der Pflegeschule Groß-Sand am 11.08. (s. Termine)
– „Jetzt spricht ein Chefarzt“ (Hamburger Abendblatt, 4.8.20)
– Offener Brief der Ärzteschaft Groß-Sand (PDF weiter unten)
Update, 12.08.2020
– Mitarbeiterschreiben vom 11.8. des Direktoriums Groß-Sand (PDF weiter unten)


Die Gerüchteküche brodelt. Die Unruhe im Stadtteil ist erheblich. Spekulationen schießen ins Kraut. Um es gleich vorweg zu sagen: Wir wissen auch nicht mehr als andere.

Was vielleicht Klarheit schaffen könnte: Eine Stellungnahme vom Krankenhaus Groß-Sand selber. Aber die halten sich – wahrscheinlich aus wichtigen Gründen – noch bedeckt.

Foto: Wikipedia

Groß-Sand ist eine „Insel der Menschlichkeit“ auf der Elbinsel Wilhelmsburg, flächenmäßig Hamburgs größter Stadtteil. Und wohl auch Hamburgs am stärksten wachsender Stadtteil. Wilhelmsburg hat jetzt über 54 000 Einwohner. Es wird gebaut ohne Ende. Absehbar werden hier 60 000, 70 000, 80000 Menschen wohnen.

Die Notfallambulanz ist eine der größten in ganz Hamburg. Nicht zuletzt durch Notfälle und Unfälle aus den großen Gewerbe-und Industriebetrieben im Hamburger Süden. Darüber hinaus wirkt das Krankenhaus mit  seiner Rehaklinik weit in die Region. Das operative Hernienzentrum strahlt bundesweit, ja sogar international aus.

450 Menschen arbeiten hier. Einer der größten Arbeitgeber auf der Elbinsel.

Als Betriebskrankenhaus der Hamburger Wollkämmerei vor über 100 Jahren gegründet hat seit Jahrzehnten jeder im Stadtteil seine Geschichte mit „Groß-Sand“ zu erzählen.

„Groß-Sand gehört zu Wilhelmsburg wie der Eiffelturm zu Paris“. So formulierte es ein Leser die Tage.

Um sich ein eigenes Bild der Lage zu machen und um den Widerstand im Stadtteil zur Rettung unseres Krankenhauses zu organisieren können wir an dieser Stelle zunächst nur die Artikel und Dokumente der letzten Tage zusammenstellen:

Hamburger Abendblatt 15.7.2020: „Klinik Groß-Sand kämpft ums Überleben“

Hamburger Abendblatt 16.7.2020: „Wie Groß-Sand gerettet werden kann“

Hamburger Abendblatt 16.7.2020 – Kommentar: „Die Fehler von Groß-Sand“

„Gibt´s Gesundheit bald am Kiosk?“ – Elbe Wochenblatt vom 22.7.2020

Wochenblatt_2020-07-22_Seite_01
Wochenblatt_2020-07-22_Seite_03

„Jetzt spricht ein Chefarzt“ – Hamburger Abendblatt vom 04.8.2020

Offener Brief der Ärzteschaft Groß-Sand

offenerbrief_ chirurgischeabteilung_gross_sand

Mitarbeiterschreiben des Direktoriums Groß-Sand

schreiben_an_mitarbeiter_20200811.pdf

„Gemeingut in BürgerInnenhand“

eine bundesweite Initiative betont die Bedeutung auch der kleineren Krankenhäuser für die Gesundheitsversorgung der Menschen. Das zeigt nicht zuletzt die aktuelle Situation mit der Coronakrise.

  • Warum die derzeitige Krankenhausfinanzierung die Häuser der Basisversorgung benachteiligt.
  • Wie die Coronakrise die Probleme verschärft
  • Welche unterschiedlichen Interessen sind am Werk?
  • Wie könnte und müsste die öffentliche Hand sich engagieren?

GiB-zu-Krankenhausschliessungen-Infobrief-April-2020

GiB-zu-Krankenhausschliessungen-Infobrief-Mai-2020

3 Antworten zu “Wilhelmsburger Krankenhaus vor dem AUS? Wer rettet „Groß-Sand“?

  1. Antworten Dirk Holm Jul 30, 2020 11:11

    Groß Sand muss bleiben!
    Eine Stadt mit 54.000 Einwohnern ohne Krankenhaus? Kaum vorstellbar. Wilhelmsburg ist keine eigenständige Stadt. Aber eine Insel. Mit zahlreichen armen Bewohnern. Viele können sich kaum die teuren HVV-Tickets leisten, um zu eigenen Behandlungen zu fahren oder um Angehörige in fernen Kliniken zu besuchen. Daneben existieren hier diverse unfallträchtige Industrie- und Hafenbetriebe. Und die Wege über Norder- und Süderelbe sind weit. Abgesehen davon, ist die medizinische Versorgung auf Wilhelmsburg schon jetzt miserabel. Groß Sand muss deshalb erhalten bleiben. Weder als Gesundheitskiosk, noch als Medizinisches Versorgungszentrum. Beides wäre nicht annähernd ein Ausgleich für unser kompetentes Krankenhaus vor Ort! Es ist traurig genug, dass die Krankenpflegeschule geschlossen wurde. Schon das ist ein schwerer Verlust für den Stadtteil. Im Zweifelsfall muss das Land Hamburg als künftiger Betreiber von Groß Sand einspringen. Es trägt letztlich die Verantwortung für eine angemessene soziale und medizinische Sicherung von uns Bürger*innen. Sollte sich abzeichnen, dass unser Krankenhaus geschlossen wird, sage ich einen Aufstand der Bevölkerung voraus.

  2. Antworten Insulanerin Jul 30, 2020 19:51

    Ein Stadtteil von der Größe einer mittleren Stadt ohne ein eigenes Krankenhaus, das geht gar nicht! Noch dazu auf einer Insel mit Hafenbetrieben und Industrie. Viele Staus auf den Zufahrtstraßen in die Hamburger City, viele Ausfälle der S-Bahn. Die Notfallambulanz muss erreichbar sein.
    Ein Krankenhaus ist kein normaler Wirtschaftsbetrieb, wenn die Kosten nicht gedeckt werden können, weil es wenige Privatpatienten gibt, ist die Stadt in der Pflicht, ihre Bürger*innen adäquat zu versorgen. Egal unter welcher Trägerschaft (da gibt es vielleicht bessere als die Katholische Kirche), wir brauchen unser Krankenhaus Groß-Sand.

  3. Antworten Liesel Amelingmeyer Aug 5, 2020 22:26

    Was würde Prof. Brinkmann zur Schließung des Krankenhauses Groß-Sand sagen? Viele kennen Klausjürgen Wussow noch in seiner Rolle als emphatischen Chefarzt der legendären Schwarzwaldklink. Wer weiß zudem, dass viele OP-Szenen im Krankenhaus Groß-Sand gedreht wurden? Gut, ZDF-Unterhaltung “von gestern” – heute Geschichte. Was nicht Geschichte werden darf ist das “Klinikum Groß-Sand”. Ein allgemeines Krankenhaus für fast 55.000 Einwohner*innen. Noch, denn Wilhelmsburg wird in den nächsten Jahren wachsen. Neue Bebauungsgebiete mit Bevölkerungszuwachs werden zu einer Neuordnung der medizinischen Versorgung führen müssen. Auch bei Arbeitsunfällen in Hafen- und hafennahen Betrieben ist Groß-Sand die erste Adresse. Das Wilhelmsburger Krankenhaus ist u.a. einer der größten Anbieter für Altersmedizin mit geriatrischer Frührehabilitation, Intensivmedizin und Spezial-Chirurgie und -Orthopädie. Groß Sand ist gut vernetzt mit regionalen und überregionalen Praxen und Kliniken sowie gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen. Welches Krankenhaus bietet schon operative Eingriffe mit direkter Aufnahme in die hauseigene Reha? Ich kenne viele Menschen, die dort wieder richtig gesund geworden sind, gerade weil ihr Wohnstandort mit Angehörigen in der Nähe war. Es ist das Krankenhaus vor Ort mit niedrigschwelligem Zugang. Richtig, so etwas gibt es noch und ist anderen Ortes abgebaut worden mit eben der Argumentation, die jetzt auch für das Krankenhaus Groß Sand gilt. Ein Gesundheitskiosk,der gerade „als Trostpflästerchen“ vorgeschlagen wird, mag ein Lotse durch das Gesundheitssystem sein. Ebenso der Vorschlag, ein größeres MVZ (medizinisches Versorgungszentrum)zu gründen… Dies kann nicht mehr als fachlich hochwertige ambulante Medizin bieten. Ein Krankenhaus ersetzen beide zusammen nicht.
    Am 4.8.2020 konnte man im Gesundheitsmagazin Visite vom überregionalen orthopädischen Know-how des Krankenhauses in puncto Knieoperationen erfahren. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Das Krankenhaus hat zudem eine renomierte Krankenpflegeschule. Wenn dem katholischen Träger Konzept und Finanzen fehlen, müssen Politik und Verwaltung handeln. Am 11.August um 15.00 Uhr wird es eine Demonstration für den Erhalt des Klinikums Groß-Sand geben.

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